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Danke Mama und Papa – und warum „Ja, mach das doch!“ ein ziemlich schlauer Satz ist


Mit ganz viel Dankbarkeit entsteht heute dieser Blogbeitrag – der eigentlich unseren Müttern zum Muttertag gewidmet sein sollte und nun doch etwas anders geworden ist. Schließlich war am Donnerstag Vatertag und somit ein guter Zeitpunkt, um sich mal bei Mama UND Papa zu bedanken für ganz viel Wärme und Liebe und Stärke, die man von ihnen fürs Leben mitbekommen hat.

 

Meine Eltern hatten immer Verständnis für meine verrückten Ideen

Man hat mal wieder so eine Idee im Kopf, erstmal eine Idee, noch nicht so ganz ausgereift, muss unbedingt mit jemandem darüber sprechen, weil man sonst platzen würde. Oder die Idee ist noch nicht ganz zu Ende gedacht, der Plan aber schon im Kopf und alles in die Wege geleitet. Was es jetzt braucht, ist entweder noch etwas Motivation, die nächsten Schritte zu gehen oder einfach noch etwas Austausch. Schön, wenn man mit solchen kleinen und großen Themen zu den Eltern kommen kann.

Zum Hintergrund: ich bin mit meinen Eltern und zwei Schwestern einen großen Teil meines Lebens auf einem wundervollen Hof im Schwarzwald aufgewachsen – mit viel Natur, viel Zeit draußen und einer zum einen Teil behüteten, allerdings auch sehr freien Kindheit. Meine Schwestern und mir hat dies offensichtlich innere Stärke, eine gewisse Gelassenheit und Unbeschwertheit und Durchhaltevermögen verpasst. Meine Eltern waren damals die ersten Bio-Landwirte in der Gegend – zu einer Zeit, als das Wort Bio eigentlich noch gar nicht so richtig existierte. Ich glaube, sie waren schon gewohnt, etwas gegen den Strom zu schwimmen.

Meine Eltern waren und sind sicherlich damals wie heute nicht mit allen Entscheidungen ihrer Kinder einverstanden - müssen sie auch nicht. Viel wichtiger sind die vier Worte „ja, mach das doch!“ Keine Argumente dagegen, keine gut gemeinten Einwände, einfach die Freiheit, die eigenen Entscheidungen treffen zu können – und zwar mit allen Konsequenzen. Und dass es absolut o.k. ist, auch einmal Dinge zu machen, die für andere irre zu sein scheinen – ja und? „Ja, mach das doch!“

 

Was bei manchen Ideen rauskam

  • Ganz viel Verständnis, obwohl eigentlich gar kein Verständnis dafür vorhanden war: Aus der nagelneuen Eigentumswohnung, die die Eltern netterweise überlassen haben, ausgezogen, um mit dem neuen Freund in eine alte heruntergekommene Villa zu ziehen. "Ach je, Kind, hast Du Dir das gut überlegt? Warum bleibt Ihr nicht einfach hier wohnen?" Das Kind total optimistisch: "Nein, das ist doch so total romantisch." Im Nachhinein: Nie, nie, nie wieder Altbau!!!
  • Das Betüteln der mit stoischer Gelassenheit ertragenen Exfreunde, die sie früher monatelang mit durchgefüttert haben. Das muss manchmal echt hart gewesen sein. Manches versteht man im Nachhinein selbst nicht mehr.
  • Zahlreiche Jobwechsel. Der krasseste ging von der vermeintlich sicheren Bankkarriere in die Gastronomie – ok, ich glaube, das war echt ziemlich überraschend für meine Eltern aber eine meiner besten Entscheidungen ever.
  • Mit Mitte 20 doch noch zum Studium - "Ja, mach das doch! Das schaffst Du schon!"
  • Im Auslandsstudium und fürs Praxissemester ins Ausland? "Toll, wir kommen Dich besuchen!" Als dann mehrere Kinder gleichzeitig im Ausland waren, wurden die Besuche etwas herunter geschraubt. Unsere Eltern haben so oft Neues ausprobiert, sind uns hinterher gereist, sind so kommunikativ und sicherlich tausendmal toleranter als ihre Kinder es jemals sein werden.

 

"Ja, mach das doch!" – und was gibt Dir wirklich Sicherheit

Dieser Satz  "Ja, mach das doch!" meiner Eltern hat mir so viele Möglichkeiten, neue kreative Wege und viel Freiraum geschenkt. Und gerne möchte ich mit Dir teilen, was Du für Dich mitnehmen kannst.

  • Ja, mach das doch – was spricht dafür? Schau zurück auf das letzte Jahr, die letzten Jahre. Auf große und wichtige und auch auf kleinere Entscheidungen mit weniger großen Auswirkungen. Hat Dein Bauchgefühl Dich schon einmal im Stich gelassen? War im Nachhinein betrachtet nicht jede Entscheidung für etwas gut und hat Dich voran gebracht? Vertraue darauf, dass Dein Bauchgefühl Dich in den richtigen Moment bringt und Du nur lernen kannst aus jeder neuen Situation.
  • Sprich mit Menschen, die Dich unterstützen und Dich inspirieren. Wenn Du Deiner auf Sicherheit bedachten, verbeamteten Freundin von Deinen wildesten Ideen erzählst, brauchst Du Dich nicht wundern, wenn Du vielleicht auf Unverständnis stößt. Also entscheide, wen Du fragst und mit wem Du Dich über Deine Pläne austauschst.
  • Lass Selbstzweifel zu. Und schau, was sie Dir sagen wollen. Ignoriere sie nicht, beschäftige Dich mit ihnen.
  • Stelle Dir selbst die Frage: Was passiert, wenn Du Deine Idee nicht umsetzt und was passiert, wenn Du sie umsetzt? Die wichtigste Frage, die Du Dir außerdem stellen solltest: Was ist das maximal Schlimmste, das in diesem Fall passieren kann?
  • Was ist Schlimmer, als etwas falsch zu machen und nachjustieren zu müssen als es gar nicht ausprobiert zu haben? Wie schrecklich wäre der was-wäre-wenn-Gedanke? Frei nach Anthony Hopkins: „Niemand von uns kommt hier lebend raus. Also hör auf, Dich wie einen nachträglichen Einfall zu behandeln. Iss leckeres Essen. Geh in der Sonne spazieren. Spring ins Meer. Sag die Wahrheit, die Du wie einen versteckten Schatz in Deinem Gehirn aufbewahrst. Sei albern. Sei freundlich. Sei merkwürdig. Für alles andere hast Du keine Zeit.“ In meinen Augen hat er vollkommen Recht, also mach das Beste aus Deinem Leben und sei bunt, wild und einzigartig.

Danke, Mama und Papa!

Tanja